12.8.13

Am Sonntag Abend gab es hier an der Promenade ein
Klavierkonzert halb klassisch und halb modern. War ein wohl sehr bekannter
Pianist – als Kunstbanause sagte mir das aber nichts –

 

Das Klavier war auf dem Katamaran von Jan aufgebaut, der direkt
vor der Promenade lag. Ein tolles Bild.

Ansonsten Montag Putz- und Flickstunde.

Habe die Lackschäden am Bug bearbeitet. Leider zu wenig
Schnellbinder in die Spachtelmasse getan, so dass es einfach nicht aushärten
will. Ich kann also nicht so schnell Schleifen und Lackieren. Immer doof, wenn
man was zum ersten mal machte. Sieht so toll gespachtelt aus, aber wird nicht
hart…..

 

 

 

 

 

 

11.8.13

Morgens um 7.15 abgelegt in Rostock-Gehlsdorf am Steg des
Rostocker Seglervereins.

 

Unter Maschine bis zur Mündung der Warne und dann noch vor
der offenen See Fock und Besan gesetzt. Der Wind war hier bereits deutlich
stärker als in Rostock. Er pendelte zwischen 15 und 18 Ktn, kam aber genau aus
West, so dass Aufkreuzen angesagt war.

 

Als ich dann um die Mole herum auf die offene See kam, gabs
gleich was auf die Mütze. 6 Windstärken
und eine Welle, die nicht von schlechten Eltern war. So zwischen 2,50 und 3.00
Meter.

 

Zuerst zwischen am Wind und halb den Ansteuerungskanal nach
Norden gefahren bis zum dritten Tonnenpaar. Hinter mir fuhr der Grosselger aus
Brasilien unter Maschine. Der ging dann nach Osten weg und ich habe auf
Nordwest angeluft um hart an den Wind zu kommen. Der Kurs ging genau gegen die
Welle, die so steil war, dass meine alte Dame jedesmal hinter der Welle mit
Getöse in das Wellental fiel. Irgendwie klang das materialmordend. Ging aber
einigermassen, als ich raushatte, wie ich die Wellen aussteuern kann. Habe
dadurch zwar Höhe verloren, weil ich auf dem Wellenberg abfallen musste, um das
Hineinfallen zu mindern, aber das Gefühl, dass das Schiff gleich mittendurch
bricht ging weg………. Der Schlag auf dem anderen Bug war deutlich ruhiger, hat
aber irrsinnig geschaukelt, weil ich quer zur Welle lief. Zuerst habe ich große
Mühe gehabt, überhaubt Raum Richtung Westen zu machen. Habe dann die Maschine
dazugenommen und ausprobiert, wie ich am besten Höhe laufen kann. Bei 1800
Umdrehungen hatte ich es ganz gut raus, voranzukommen.

 

Von 12 in der gleichen Richtung fahrenden Seglern hat nur
einer (und ich!) die Strecke unter Segeln bewältigt. Die anderen sind nach
Warnemünde abgelaufen oder haben sich unter Maschine gequält.

 

Insgesamt 8 Kreuzschläge für eine Strecke von 12 Seemeilen.
Dadurch bin ich gut 26 Seemeilen gesegelt. 5 Stunden nach dem Setzen der Segeln
war ich dann vor Kühlungsborn. Einige heftige Böen kamen zwischendurch und ich
musste notgedrungen zweimal auf Vorschiff (Fender hing im Wasser und die
Bugleine drohte außenbords zu gehen). Das war so ähnlich wie Mustangs
zureiten…………….ich kann zwar ja nicht reiten, aber so stelle ich mir das vor…….

 

Ging aber alles überraschend glatt.

War froh, nicht aufgegeben zu haben.

Beim Festmachen in Kühlungsborn habe ich dann gemerkt, dass
ich total durch war, denn so besch…. habe ich lange nicht mehr angelegt. Erst
leicht den Steg berührt und dann auch noch falsch festgemacht.

 

Viel mehr als 5 Stunden sind bei solchen Bedingungen alleine
kaum machbar. Jedenfalls nicht für mich.

 

Ich muss aber zugeben, dass es ein tolles Gefühl ist, solche
Bedingungen allein zu beherrschen (oder soll ich überstehen sagen?). War
jedenfalls von der Wetterhärte das anspruchsvollste, was ich bisher gemacht
habe. Kiel – Heiligenhafen war ähnlich anspruchsvoll, weil viele Stunden
länger, aber ich hatte keine Welle gegenan und mußte nicht kreuzen. Die Welle war auf dem Bug leichter auszusteuern.

Heute Abend bin ich total fertig, aber irgendwie wohlig
platt. Jetzt geht’s noch auf ein Bier und dann ab in die Koje.

Morgen Schiff klarmachen und bunkern für den neuen
Abschnitt. Am Dienstag kommt der neue Mitsegler. Schaun wir mal, was wir
zusammen hinbekommen. Leider ist für Di und Mi Starkwind angesagt. Böen bis 9
Bft. Naja….. wir sind ja dann zu zweit.

 

 

 

 

 

10.8.13

Gepflegt ausgeschlafen. Gegen 9.30 vom Hafensprecher wach
geworden, der das Auslaufen der Grosssegler für 10.00 Uhr angekündigt hat.

 

Obwohl durchwachsenes Wetter angesagt war, strahlte die
Sonne schon wieder. Das Auslaufen der Segler von 10.00 bis 11.30 war wieder
sehr imposant. Der Hafensprecher ist sehr gut zu verstehen und gibt viele
Informationen zu den Auslaufenden. Außerdem höre ich parallel den Kanal
Warnemünde Traffic (73). Die Jungs haben alle Hände voll zu tun, die Flotte zu
bändigen…..

 

Danach wurde es ruhig im Hafen.

Gegen 14.00 Uhr kommen die ersten zurück. Das sind die, die
nachher nochmal zur Abendfahrt rausgehen. Zwischendurch Durchzug eines
Ausläufers einer Gewitterfront mit Böen bis 35 Knt. War interessant zu sehen,
wie locker die Optimisten, die hier eine Regatta fahren, mit den Böen umgehen.

 

Wetter verschlechtert sich am Nachmittag. 2 Regenfronten
ziehen durch und der Wind geht auf 6 Bft hoch. Bin gespannt, ob ich morgen hier
wegkomme……

 

 

 

 

9.8.13

6.45 klingelt der Wecker. Oli will kurz nach 7.00 Uhr los,
damit er nach 9.00 Uhr bei Hamburg den Berufsverkehr nicht mehr hat und vor
14.00 Uhr durchs Ruhrgebiet kommt. (Planung ist voll aufgegangen. Er war schon
14.00 Uhr in Aachen).

Ich habe dann in Ruhe gefrühstückt und bin um 10.10 raus
Richtung Rostock.

 

Wind kam aus West mit ca. 10 Ktn. Habe nur Fock gesetzt und
lief ca. 3,5 bis 4,0 Ktn. Habe immer wieder den Bug gewechselt, weil der
Steuerbordbug, den ich wegen der zu laufenden Höhe brauchte, quer zur alten
Welle aus NW lang und recht unangenehm war. Der Backbordbug lag dann genau vor der Welle, aber brachte mir leider nicht die Höhe. Gegen 12.30 dann Nähe Ansteuerung Rostock.

Es ist ein irres Bild. Ich zähle 42 Grosssegler vor Warnemünde. Habe dann Besan
gesetzt und bin in der Flotte hin und her gefahren, um zu schauen und Fotos zu
machen. Leider kann ich mit meiner Kamera nicht so zoomen, wie es nötig wäre,
aber als Erinnerung sind die Bilder sicher zu gebrauchen.

 

Gegen 14.00 Uhr dann Segel runter und in die Fahrrinne nach
Warnemünde zusammen mir den Grosseglern und vielen Begleitbooten. Ungalublich
welche Menschenmassen auf den Molenköpfen bei Warnemünde stehen. Es ist kaum noch etwas von der Mohle selbst zu sehen……

 

Die Abstände zwischen den Schiffen erlauben leicht die
Übernahme von Flaschenbier, aber ich muss die vielen Angebote ablehnen, denn
die Steuerung verlangt höchste Aufmerksamkeit. Ein Zweimaster vor mir rammt mal
so eben eine Tonne, weil er der auslaufenden Fähre nach Helsinki – ja das auch
noch – ausweicht. Die ganz Grossen (meist Russen) legen schon in Warnemünde an.
Das geschieht mit Hilfe von jeweils 2 Schleppern. Riesennummer.

 

Ich gehe mit dem Konvoi weiter ca. 4 sm bis zum Stadthafen
Rostock. Manchmal kommt man sich vor wie im Rosenmontagszug………….Jubelnde und winkende Menschen und Musik überall.

 

In Gelsdorf Süd lege ich am Steiger des Rostocker
Segelvereins an. Den Platz hat mir Walter besrogt, der hier sein Schiff liegen
hat. Er ist auf dem Steg und weist mich ein. Trotz Heckdalben bei fast
Windstille kein Problem festzumachen. Walter belegt die Bugleinen.

 

Der Steg ist direkt gegenüber der Liegeplätze der fast 200
Grossegler. Ein fazinierendes Bild. Ich hoffe, die Fotos werden was.

 

Abends eine Riesenkirmes. Wie Pützchens Markt. Nicht so mein
Ding, aber es gehört halt dazu, wenn man so viele Grosssegler sehen will. Gegen
19.00 Uhr gehen dann viele nochmal für eine Abendfahrt raus – natürlich alle
mit Gästen, dann davon leben sie bzw. bessern sich die Bordkasse auf.

 

Tolle Athmosphäre. Ein wenig trübt dies allerdings eine hörbare
Hardrockband, die aber nur 20 Min pro Stunde spielt.

 

Gegen 22.00 Uhr komme die Abendfahrer zurück. Imposantes
Bild. Alle beleuchtet. Manche mit angestrahltem Vollzeug, was möglich ist, da
es total windstill ist. Tolles Erlebnis.

 

23.30 Koje mit sofort beginnendem Tiefschlaf (ob die
Hardrockband garnicht mehr gespielt hat???)

 

Das ist mein Delfin. Schaut mal bei "Bilder"