Samstag 8.6.2013

9.25 legen wir in Wangerooge ab mit Ziel Cuxhafen.

Wenn ich alleine wäre, wäre mir gehörig mulmig, aber zu dritt bin ich entspannt.

 

Ganz schnell zeigt sich, dass Carstens Revierkenntnisse extrem hilfreich sind.

Wir fahren obwohl gegen Strom so geschickt durch die stromärmeren Gebiete, dass wir gut vorankommen.

An der Tonne H müssen wir natürlich einmal aus dem Schutz der Buhne raus und neben der Tonne stehen wir auch fast auf der Stelle. Gleich danach geht Carsten wieder aus der Fahrrinne raus in etwas flacheres Wasser und es geht wieder voran. Ich hätte mich im Strom totgequält..........nein ich wäre wohl bei ablaufendem Wasser gefahren, aber da soll dann über dem Flach eine unangenehme Welle stehen..........und wenn man bei ablaufendem Wasser hier draußen festkommt wirds echt blöd.

Habe also in der ersten Stunde schon was gelernt. Strom lesen auf der Wasseroberfläche.

Faszinierend.

Bei der Tonne 4 gehts dann ans Segel setzen in sehr unruhigem Wasser. Turnübung. Alleine hätte ich mich auf Fock und Besan beschränken müssen, weil der Autopilot das Schiff nicht hätte im Wind halten können, aber zu dritt kein Problem.

Reff 1 lasse ich im Gross.

Wir nehmen hier einen Kurs von 60 Grad auf, den wir garade so hart am Wind halten können. Sofort nimmt das Schiff Fahrt auf und wird ruhig und stabil. Zuerst liegt der Wind zwischen 10 und 14 Knt und wir laufen zwischen 4,5 und 5,0 über Grund bei leichtem Gegenstrom. Nicht so schlecht, zumal noch mehr Wind kommen soll.

Um 11.20 - also nach 2 Stunden haben wir den Ort Wangerooge genau querab und liegen ziemlich genau bei 53.50.000 W und 7.55.000. Ab hier gehen wir auf Kurs 45 Grad, weil der Wind ein ganz wenig auf NNW dreht. So müssten wir ganz gut auf die Elbmünding zukommen.

Wir queren das Jadefahrwasser zwischen den Tonnenpaaren 7/8 und 9/10. Kein Verkehr, aber an Backbord sieht man in der Ferne schon die dicken Pötte Richtung Elbe.... mit denen soll ich in Brunsbüttel zusammen in eine Schleuse?????

Das Weserfahrwasser kreuzen wir bei der grünen 7. hier kommt eine riesige Arbeitsplattform mit 4 hohen Türmen aus der Weser (Bremerhafen). Ist aber noch weit weg und quert dann später unseren Kurs weit achteraus..

An Steuerbord bleiben die Leutchfeuer Teegeler Plate und alte Weser zurück und wir treffen um 14.20 genau die Tonne 1 vom Elbefahrwasser. 5 Stunden für etwa 30 sm. Nicht schlecht. Und jetzt ist es nur noch ein Katzensprung (ca. 18 sm)..................

Da habe ich mich aber geschnitten. Vor 20 Minuten war HW und jetzt ensteht der Gegenstrom. Inzwischen kommt der Wind achterlich und weht mit 15 bis 18 Ktn (scheinbarer Wind!). Also ganz ordentlich und deshalb machen wir mit Welle von achterlich bis bb noch fast 4 Knt über Grund. Im Wasser läuft das Schiff nach wie vor wie Schmitz Katze.

Die Welle ist extrem unruhig. Strom gegenan von fast 3 Knt, steile Welle von schräg hinten und Wind genau von hinten. Ich nenne es Kotzkurs, auch wenn ich damit normalerweise keine Probleme habe. Habe aber schon einige blass werden sehen. Heute natürlich nicht. 2 Profis und ich.............Schiff ist nur schwer auf Kurs zu halten und es besteht ständig die Gefahr, dass der Baum kommt.

Bullenstander macht aber keinen Sinn, weil wir hier wieder die stromarmen Rinnen suchen und deshalb häufig halsen.

Wir überholen ein kleineres Schiff, was noch instabiler läuft und manchmal sogar in der Welle querschlägt. Ist aber unkritisch, da die Welle eigentlich nicht gross ist, aber das sieht nicht wirklich kontrolliert aus. Bei uns vermutlich aber auch nicht.

Als die Welle dann genau von hinten kommt gelingt es mir, mich ab und zu auf dem Wellenkamm zu halten. Das finde ich immer wieder geil. Rauscht abenteuerlich und wirft uns richtig nach vorne....... 

Gegen 17.00 nimmt der Wind ab und wir fallen mit Speed über Grund teilweise auf 1 Knt ab. Es wird mühsam und zäh. Letztlich brauchen wir für die letzten 5 sm fast 4 Stunden. und das nur, weil Carsten sich wieder erfolgreich als Stromarmeswassersucher betätigt und Britt am Plotter sitzt und genau die Tiefenlinien beobachtet. Meine Papierkarte ist für so eine Nummer vor zu grossmasstabig.

Ich habe den Eindruck, dass er eher Strandsegler ist - man könnte zum Strand spucken - aber er und Britt haben die Tiefe immer im Griff. Nie unter 2,0. Es ist hier einfach bis ganz nah ans Ufer tief, aber eben deutlich flacher als in der Fahrrinne und deshalb stromärmer.

Diesen Kurs würde ich allein niemals riskieren. Wie soll man auch steuern und gleichzeitig am Plotter sitzen.......

 

Gegen 20.00 Uhr liegt des Hafen querab. Wir bergen segeln und machen das Schiff klar zum Anlegen. In der Box E7 machen wir fest.

 

Das Taxi (Vater von Britt) ist schon lange da, weil sich die letzte Meilen doch sehr zäh gestaltet haben. Gut 10 Stunden und teilweise mit sehr schönem Wind, auch wenn es gegen 18.00 emfindlich kühler wurde.

Britt und Carsten zum Parkplatz gebracht und herzlich bedankt.

Es war eine riesige Hilfe. So platt wie ich jetzt schon bin, hätte ich dass einhand einfach körperlich kaum geschafft, von meinen mentalen Stimmungssprüngen, die moderater ausfallen, wenn man nicht allein ist, mal ganz abgesehen.

Die 5 Stunden die Elbe aufwärts war steuertechnisch richtig Muskelarbeit, die wir uns teilen konnten.

 

Nachdem ich dann etwas gegessen habe, war die erste Müdigkeit mal weg.

Die beginnenden Krämpfe in den Innenseiten der Oberschenkel (Seebeine) habe ich mit Bananen und Magnesiumtabletten schnell und gut in den Griff bekommen. War einfach viel und ich bin vielleicht doch nicht mehr der Jüngste. Grenzerfahrungen.............:-((

 

NW ist hier um 21.00 Uhr durch und mit auflaufendem Wasser kommen noch einige rein.

Das hätten wir auch gemacht, wenn es garnichtmehr gegangen wäre. Aber ich hatte ja einen Wasserleser an Bord.......:-))

Das hat mir mal wieder gezeigt, dass Erfahrung durch nichts zu ersetzten ist.

 

Es war rund rum ein toller, erfolgreicher und anstrengender Tag.

Neben dem Schlag von Borkum nach Langeoog der beste Tag bisher.

 

 

 

 

 

 

Freitag 7.6.13

Habe gegen 9.30 abgelegt und durch die Fahrrinne Richtung Süden. Bin kaum richtig unterwegs, kommt die erste Fähre entgegen - hätte ja auch mal auf den Fahrplan schauen können........

Egal. Ich halte auf den Bug der Fähre zu, damit mich die Bugwelle nicht auf Land setzt und zeige dann durch Kurssetzung an, dass ich weiss was ich tue. Oder zumindest hoffe ich, dass er glaubt ich wisse was ich tue......... Er hupt nicht und setzt mich auch nicht auf Land. Fährt selbst extrem langsam und die Fahrrinne ist breiter als es von weitem aussieht. Alles kein Problem.

Dann sehr schönes Segeln Richtung Neuharlingersiel (halb mit Besan und Fock) bis zur Abzweigung der Wattfahrwasser Richtung Osten. Ich entscheide mich für die nördliche Route, da das Wattenhoch hier nur 1 sm lang ist und ich nah an der Buhne H am Westende von Wangerooge vorbeikomme. Dann kann ich schon mal für den Schlag nach Cuxhafen schauen, wie ich hier fahren muss.

Prickenweg ist sehr gut zu finden und es bleibt sehr lange tief. Das Wattenhoch ist hier wirklich sehr kurz. Ca 0,3 bis 0,4 sm auf 2,0 m; sonst überall tiefer.

Die Fahrrinne ist mit (AH) betonnt; also habe ich nach einem eigenen Delfin in Holland jetzt auch eine eigene Fahrrinne zwischen Spiekeroog und Wangeroog. Hat was......

 

An der Rotgrünen vor der Buhne H drehe ich dann nach Osten. Wie gestern deutlich andere Farbe und Bewegung des Wassers. Die Unterschiede sind stark, auch wenn ich im Flach durchaus mehr Wind hatte als hier.

 

Dann wie immer erst an der Hafeneinfahrt vorbeigeseglt zum Schauen.

Dabei zwei Tonnen verwechselt. Habe die Tonne am Molenkopf angesteuert, statt der Ansteuerungstonne. Blöd nur, weil die Ansteuerungstonne landseitig passiert werden kann, die Molentonne aber eher nicht - bzw. nicht ohne ganz hässliche Geräusche am Schiff.........

Ist mir dann aber früh genug aufgefallen. Das Risiko allein ist einfach größer. Zwei Leute sehen eben doch mehr oder das Risiko, dass beide den gleichen Fehler machen ist gering.

Aber was solls - ich will es ja so. Nur blöd, wenn einem immer wieder mal das Herz in die Hose rutscht, wenn man den Fehler bemerkt.....:-))

 

Dann Segel weg und unter Maschine in den Hafen.

Am Oststeg (Gemeinde; kein Trinkwasser und kein Strom aber mit 12€ echt preisewert; wenn man Spiekeroog mit 28€ und dass ohne Wasser im Hafen bei NW - das Wasser ist ja dann bei mir im Schiff......) gegen 13.00 Uhr festgemacht. Superwetter.

Entspannter Nachmittag mit leichten Verbrennungen nach Schlafpause in der Sonne.

 

Gegen 17.30 läuft ein Zweimaster (Baujahr 1950, Holz, sieht toll aus) in den Hafen. Ich weiss da noch nicht, dass das Britt und Carsten sind.

 

Dann kommen Sie vorbei und wir nehmen einen Begrüßungsrotwein und besprechen, wie das morgen ablaufen soll: Ablegen bei halber Tide, unter Maschine bis durchs Seegatt und ab der Tonne 4 Segel setzten und Kurs 60 Grad Richtung Elbmünung. Dann nach HW aber mit nachlaufendem Strom in die Elbe bis Cuxhafen. Gegen 18.00 sollten wir dort festmachen. Klingt ganz einfach.....

 

Dann gehen wir in die Dünen zum Grillen.

 

 

 

 

 

Donnerstag 6.6.13

 

Um 9.15 in Langeroog raus; 2 Stunden vor HW und in das Langeroog-Wattfahrwasser (LW). Roten Tonnestrich aufgenommen und auf einen Krabbenfischer aufgelaufen. In schmaler Fahrrinne so knapp wie vertretbar überholt. Dann in den Prickenstrich eingebogen. Ca 1 Std vor HW. Nie unter 160cm. War für mich hochspannend, aber ging gut und macht Mut für die nächsten Tage. An den flachsten Stellen war ich immer noch vor HW, so dass bei Grundberührung immer noch Wasser dazukommt um wieder freizukommen.

 

Dann nach dem Flach (fällt übrigens bei NW 1,00 m trocken) wieder den roten Strich nah an der Ostküste von Langeoog vorbei. Grosse Seehundkolonie. Näher ran hab ich mich aber nicht getraut, da dort Welle stand. Hier ist die Nordsee wieder zu spüren. Wasser wird klarer und deutlich unruhiger.

An der rot-grünen Tonne dann nach Osten abgebogen Richtung Spiekeroog. Fock gesetzt und hart am Wind und gegen Strom langsam gesegelt. Aber gut. Sonne und 15 Knt Wind aus NE.

 

Dann Hafen Spiekeroog angesteuert. Sieht von weitem total wirr aus. Rote und grüne Tonnen völlig durcheinander………. Rangefahren und dann wurde der Weg klar. Schmales Fahrwasser und sehr eng beprickt. Eingelaufen 1,5 Std nach HW. Festmachen war trotz Hilfe nicht einfach, da ich an einen Luv-Steg wollte, nachdem ich heute Morgen fast nicht weggekommen bin….

Bei NW nur knapp 0,30 Tiefe im Hafen. Man gewöhnt sich an alles...... Natürlich wieder Wasser in der Bilge. Habe die Stelle gefunden. Drückt durch den offenen Kiel wie vermutet.

Also morgen erstmal wieder putzen. Beim Fahren war aber alles trocken. Und das ist wichtig.

Ab Cuxhafen gibt’s kein Trockenfallen mehr. 

Bin froh, dass morgen Britt und Carsten kommen. Wir treffen uns in Wangerooge. Da werde ich schon hinkommen. Das Hoch fällt nur 0,80 trocken. Also 0,20 mehr Wasser als heute. Auf PD07 höre ich dann eben, dass es morgen 2 dm weniger HW – NW sogar 0,30 unter normal – gibt. Na gut, dann eben so wie heute.

Werde gegen 9.30 losgehen, um bei HW (12.09) das Flach zu passieren. Hoffe dann, bis 14.00 Uhr in Wangerooge zu sein, sonst wird’s da auch wieder eng an den Steg zu kommen………….. Aber halbe Tide soll angeblich reichen.

Schaun wir mal.

 

Am Nachmittag gehe ich in den Ort und mache einen langen Spaziergang über die Dünen. Sehe dabei ganz weit draussen einen Segler, der sich Richtung Westen bewegt.

 

Kaufe schnell noch was ein, wenn wir morgen Abend auf Wangerooge grillen und entspanne mich dann auf dem Schiff und schlafe mal wieder in der Sonne ein.

 

Werde wach, weil ein Segler in der Nachbarbox festmacht. Segelschulschiff auf Ausbildungstörn. Kommt von Wangerooge außen rum. War genau der, den ich gesehen habe. Klagt über sehr wenig Wasser im Flach vor dem Gatt in der Ansteuerung von See.

Hat sich etwas mit der Tide verpeilt, aber der Wind war für ihn ungünstig, so dass er einfach zu spät am Gatt war. Ging aber wohl noch einigermassen. Hat auch nur Tiefgang von 1,20. Hätte ich schon wieder Streß bekommen. Macht alles tierisch viel Mut........ 

Man kann hier eben nicht einfach dahin fahren wo man will, sondern man fährt dahin, wo es geht. Und es ist eben blöd, wenn man einen festen Zielort hat.

Trotzdem - oder gerade deshalb - ein tolles Revier. Und die Wasserbewegungen sind ein imponierendes Schauspiel.

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch 5.6.2013

Um 8.00 mit Consti nach Siegburg.

Dann nach Köln und – weil ich Zeit hatte, an den Rhein gesetzt. Hochwasser. Promenade aber noch frei (20 cm).

Dann um 11.46 in den Zug nach Norden. Letzter Wagen, weil ich Ruhe haben wollte.

Wagen ist komplett leer und hat noch richtige Abteile. Toll. Sehr entspannte Fahrt.

Nur die Currywurst im Bistrowagen war nicht so doll, aber das Becks war ok (war ja auch "originalverpackt", kann man nix falsch machen....).

 

Dann in Norden (15.46) in den Bus nach Harlesiel. Die haben hier die Ruhe weg…..

In Essens hat er auf einen Zug gewartet. Auf die Frage eines urlaubsreifen Schwaben – wie sollen wir denn die Fähre noch bekommen – der Fahrer: "Die wartet auf uns. Normalerweise; sehen wir ja dann" 

Natürlich hat die Fähre gewartet.

 

Fähre auch nicht voll. Überfahrt kurz nach NW. Fähre setzt zweimal ordentlich auf – ich bekomme Zustände, weil ich Donnerstag durchs Wattfahrwasser will. Wenn die schon aufsetzen…….

 

18.20 am Schiff. Alles umgeräumt und klar gemacht und dann ein Bier in der Hafenkneipe (Kajüte) genommen. Als ich dann als Absacker ein Bier an Bord gesucht habe, freudige Überraschung. Bilge steht komplett voll Wasser………….. Bilgenpumpe arbeitet max 1 Minute und dann springt der Schalter raus………

Also Handpumpe und Schwamm. Gut 150 Liter (15 Eimer ………….) rausgeholt. Ich bin sowas von begeistert.....................

 

Nach finaler Zewa-Aktion alles Trocken. Hoffe, dass ich jetzt sehen kann, wo es durchdrückt.. Die Kielbolzen suppen, aber ich vermute, dass das die Dichtungen sind, die jetzt noch Wasser abgeben. Schaue mal morgen früh. 

 

Morgens wieder Wasser. Vermute jetzt, dass beim Trockenfallen durch den offenen Kiel Wasser reindrückt, was sich später eindeutig bestätigt.

 

Nicht so gut geschlafen, weil mit der gaplanten Wattfahrt mal wieder was ganz Neues auf mich zukommt.

 

 

Montag 3.6.2013

Ich habe grosses Glück.

Durch einen Kontakt von Arne (aus der BSG; danke Arne!!!) in Bonn haben Britt und Carsten - 2 sehr reviererfahrene Segler mit Schiff in Harlesiel - Kontakt zu mir aufgenommen und wollen mir am kommenden Wochenende weiterhelfen. Ich bin happy.

 

Mittwoch fahre ich nach Langeoog und versuche - je nach Wetter - Ihnen entgegenzufahren. Plan ist, durch die Wattfahrwasser über Spiekeroog nach Wangerooge zu gehen. Das macht es für die beiden etwas einfacher. Sie würden zwar auch nach Langeoog kommen, aber ein wenig kann ich ja auch tun............

Haber zwar mächtig Respekt vor den Flachs, die bei Ebbe trocken fallen, aber mir fehlt ja nur die Erfahrung. Gehen tuts auch wenn ich mit 1,50 schon recht viel Tiefgang habe.

 

 

Ich werde weiter berichten - soweit ich in den Häfen ein Netz bekomme.

 

 

Das ist mein Delfin. Schaut mal bei "Bilder"